basta Wissen: Die rechtsextreme Szene

Im Jugendclub bereiten sich Ronny und seine Clique auf das Wochenende vor. Sven ist aus der Stadt gekommen und hat Propagandamaterial mitgebracht, mit dem wie Deutschland wieder zu mehr Arbeit kommt. Vorlagen für Tätowierungen mit NS-Symbolen und verbotene CDs mit Hasstexten gegen Linke und Ausländer. „Eigentlich dürfen wird das hier gar nicht spielen“, sagt der Leiter des Jugendclubs.
„Aber besser sie hören es hier. Dann machen sie wenigstens woanders keinen Mist.“

Nach ein paar Bieren zeihen sie an diesem Abend weiter, zu Ronny. Der 20-jährige Baufacharbeiter hat als einziger eine eigene Wohnung. Hier können sie sich ungestört auf den Balkon stellen und sich zu Musik von „Kraftschlag“, „Endstufe“ und „Elbsturm“ die Seele aus dem Leib grölen. Die Nachbarn rufen schon mal die Polizei, wenn „Deutschland den Deutschen - Ausländer raus“, „Blutschande - Rassenhass“ oder „Juda verrecke“ zu laut aus den Boxen wummert - wegen Ruhestörung.

Mit Musik ködert vor allem die rechtsradikale Partei NPF (Nationaldemokratische Partei) den Nachwuchs. So, wie die NPD marschiert, das finden die Jungs in Ronnys Clique gut. Sie sind sich einig, dass sich in Deutschland was ändern muss und dass es bei der nächsten Wahl „den Großen so richtig wehtun muss“.

Der Rutsch in die rechte Szene

Die Verführung: Äußerlichkeiten wie Glatze, Springerstiefel, schwarze Bomberjacke lassen keine eindeutige Zuordnung zur Skinhead-Szene zu. Auch viele unpolitische Jugendliche finden ein solches Outfit cool. Außerdem sind nicht alle Skinheads rechtsextremistisch. Oft erfolgt der Einstieg in die rechte Szene über die Musik. Die Songs von rechtsextremistischen Bands gibt es in Wohnungen, Clubräumen und bei illegalen Skinhead-Konzerten zu kaufen. Mit Musik werden ausländerfeindliche, rassistische und nationalistische Parolen transportiert. Und schon ist man drin in der rechten Szene.

Die Enthemmung: Bei zahlreichen Straftaten spielt Alkohol eine große Rolle. Die Clique gerät in Stimmung und beschließt „minderwertige“ Personen und Gruppen, insbesondere Ausländer, „aufzumischen“. Auch Menschen mit Behinderung, Drogenabhängige, Obdachlose oder Homosexuelle werden oft als Opfer ausgewählt.

Die Anonymisierung: Kaum einer der Jugendlichen würde sich alleine zu Körperverletzungen und Zerstörungen hinreißen lassen. Es ist die Clique, von der man sich anstecken lässt. In der Gruppe fühlt man sich stark; sie steigert das Selbstwertgefühl. Hier hat man einen festen Platz und ist anerkannt. Das Mitlaufen in einer Extremistengruppe ist für viele eine Möglichkeit, die eigene Verzweiflung, von der man nicht so genau weiß, woher sie kommt, hinauszuschreien, andere zu provozieren und Tabus zu brechen. Der Preis für dieses Verhalten ist, dann man seine Persönlichkeit aufgibt und sich einreiht. Und man hofft darauf, als Einzelner nicht nur Rechenschaft gezogen zu werden. Für Zweifel ist kein Platz. Allzu schnell würde man als Feigling oder Verräter dastehen.

Meinungsfreiheit - grenzenlos?
„Jeder hat das Recht, seine Meinung, in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern. Eine Zensur findet nicht statt.“ So steht es in Artikel 5 des Grundgesetzes. Es gibt jedoch auch Gesetze zum Schutz der Jugend. Und so schreitet die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften“ ein, um Gewalt verherrlichende Texte, Videos oder Computerspiele zu verbieten.